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Vorwort zum Neuenglandprojekt Fragen, so viele Fragen ... Jeder stellt sich Fragen, sicherlich, manch eine/einer stellt sich nur solche, die sie oder er auch beantworten können, andere suchen nach der unüberwindlichen Herausforderung. Auch gibt es Menschen, die in der Frage die eigentliche Aufgabe ihrer selbst sehen. Eine Frage kann etwas Aufgezwungenes haben – was wissen wir über den Gegenstand der Erörterung noch nicht -, andere Fragen drängen sich regelrecht auf, so zum Beispiel bei manch einer logischen Inkonsistenz, oder meist bei Momenten der Wahrnehmung: Wo ist es/sie/er abgeblieben? In allen Fällen wird der Gegenstand, der später als der Frage zugrundeliegend, als unbekannt vorausgesetzt – abgesehen von jeglicher Art von Stilübung natürlich. Man will etwas wissen und spricht damit über etwas, was man gar nicht kennt. Die Aussage hingegen macht den Gegenstand, den sie zum Inhalt schon im Vorhinein kenntlich. Im ersten Fall fragt man sich (sic!), wie man eine Form für das Unbekannte finden kann, im zweiten Fall geht es darum, weswegen man – wissend – dann überhaupt noch spricht, respektive schreibt. Nun ja, ich möchte einen Weg bestreiten, der mir persönlich sinnvoll und vielleicht auch nachvollziehbar erscheint. Die Frage, die mich umtreibt – zwängt man sie nun in eine Form, sprich in eine grammatikalische Frage oder sieht man sie als diese Herangehensweise selbst, mit all ihren Dendriten und diffusen Gebieten, die sich möglicherweise (sollte ich sagen: wahrscheinlicherweise?) auftun werden – soll durch eine Randbegehung des Unbekannten vollzogen werden, was sich hoffentlich nicht in konzentrischen, vielmehr in spiralen Kreisen zu einer Frage formt (so der Idealfall), die dann erledigt sein wird. Ein gewagtes Unternehmen, möchte man wohl annehmen, denn, so schon der erste Einwand, wenn man im Vorhinein so gar nicht bestimmen kann, ob es sich hierbei um eine interessante Auseinandersetzung handeln wird, weswegen sollte man sie überhaupt in Angriff nehmen? Mit anderen Worten: Liegt in der Frage tatsächlich nur das gänzlich Unbekannte, oder ist in ihr nicht auch schon ein Teil dessen beantwortet, der ihre grundsätzliche Existenzberechtigung durch den schlichten Umstand der sogenannten menschlichen Neugier rechtfertigt? Man merkt, es fällt mir durchaus schwer, über die Frage nachzudenken, ohne eben eine solche zu stellen. Vollkasko mit Fremdbeteiligung Soviel vielleicht dazu, damit niemand hinterher sagen kann, ich hätte es mir vielleicht zu leicht gemacht. Die Auseinandersetzung, die ich an dieser Stelle zu führen gedenke – auch hier: nichts, aber auch wirklich gar nichts ist mir diesbezüglich klar; gelehrte Menschen schreiben Bücher über das, was sie wissen, ich weiß über den Gegenstand meiner Frage so gut wie nichts, nein, tatsächlich nichts, na ja ... -, will nicht nur ergebnis-, sondern auch formoffen sein. D.h. ich stochere ein bisschen im Saft dessen rum, wovon ich ausgehe, dass es etwas mit der Frage zutun haben wird, und hoffe (hoffe ich?), dass sich irgendwann einmal ein Etwas melden wird, dem ich auf den Fuß gestochert habe. Systematisch kann ich hierbei nicht vorgehen, denn ich weiß ja nichts über das Gebiet; außerdem kann ich mir den Luxus im Gegensatz zu den gelehrten Menschen erlauben, das Material einfach beiseite zu lassen, was mich nicht interessiert. Das „Stochern“ geschieht öffentlich, was zunächst einmal nur bedeutet, dass ich in unregelmäßigen Abständen – auch ein Vorteil gegenüber besagten Gelehrten – weitere Ideen mit anführen und Material aufschütten werde; öffentlich kann auch (mit der Betonung auf Möglichkeit) bedeuten, dass sich andere ebenfalls mit einem Stöckchen oder einer Stange ausgerüstet auf eben die gleiche Suche begeben können. Nein, das ist kein Aufruf hierzu, eine Möglichkeit, wie gesagt. Zunächst – wenn überhaupt – wird dies wohl anfangs via Mail gehen (die Beiträge werden dann ebenfalls hier erscheinen, sollte die Schlange (hoho!) derjenigen, die sich gerne hieran beteiligen möchten (es geht schließlich wirklich um eine Frage, die mich interessiert, ich möchte sogar sagen: brennend), zu lang werden, wird sich ein probates Mittel finden, dies auf direkterem Weg zu gestalten. Wer in dieser Verfahrensweise eine mögliche Zensur vermutet, der liegt gänzlich falsch. Ich glaube – erfahrungsgemäß – einfach nicht, dass meine Fragen auch die anderer Personen sind; aber bitte, ich lasse mich gerne vom Gegenteil überzeugen. Ich suche nicht nach „Wahrheiten“, verbreite auch keine solchen; ist etwas falsch, bitte, gerne, ich bemühe mich, nicht mehr – ich suche nach Möglichkeiten. Warum Neuengland? Ich schreite zum Unvermeidlichen über: Was mich umtreibt oder schlicht: die Frage. Immer wieder hat es in der Vergangenheit (auch in der Gegenwart?) „Zentren“ künstlerischer Auseinandersetzung gegeben, die im Gegensatz zu den sie umgebenden Gebieten nicht anders denn als „dicht“ im Sinne eben ihrer Auseinandersetzung zu bezeichnen sind. Ein bestimmter Ort, ein Landstrich, eine Gegend zu einer bestimmten Zeit: New York in den 50ern, Berlin und Paris in den 20ern, das klassische Weimar (bin ich es, der das eben hingeschrieben hat?) wären Beispiele. Nun kann man sagen, und den jetzt so wunderbar bereiteten Boden einfach zunichte machen – jo jo -, dass ist eben der urbane Schmelztiegel und so. Warum aber dann nur zu bestimmten Zeiten, warum nicht Wanne-Eickel, warum nicht Wuhan (so um die 10 Millionen Einwohner, glaube ich)? Sind es Klischees, die man so mit sich rumträgt, lebt eine „never sleeping“ Stadt wie New York, in den Zeiten, da es dann doch etwas mau wird, nur deswegen nicht, weil man sich an die guten alten ... man versteht schon ... ? Ich denke auch nicht an „Schulen“ , wie die sogenannte „Neue Leipziger Schule“, die sich durch gute Marketingstrategien auf einem Gebiet etwas greller und auffälliger gestaltet – wo sind deren sonstige Ideen? Nein, ob – um das NY Beispiel abermals zu bemühen – auf dem Gebiet der Musik, der Kunst, der Architektur (vielleicht gekoppelt mit Chicago), der Literatur – fast gewinnt man den Eindruck, nichts habe man ehemals unternehmen können, ohne sofort auf Menschen zu treffen, die sich in ebensolcher Weise kundgetan haben. Wie kommt das? Warum nicht davor, warum nicht danach – dass es sich so verhält, kann man an dem Umstand sehen, dass man ja eben von den 50er Jahren NYs spricht, nicht von den 40ern. Dass es nicht unbedingt der „klassische“ urbane Kontext sein muss, der eine ungewöhnliche Anhäufung von Persönlichkeiten hervorbringt, die sich mit künstlerisch gedanklichen Ausdrucksformen bemerkbar machen, zeigt das Beispiel jenes geographischen Gebietes, das ich an dieser Stelle zu betrachten gedenke: Neuengland. Warum gerade hier und zu welcher Zeit? Die Antwort erscheint zunächst einmal ganz schlicht: Sicherlich und hauptsächlich auch aus persönlicher Motivation heraus (Was sonst?). Anders gefragt: Warum nicht? Es sind zu viele Personen, die sich dort entwickelt haben und mir persönlich wichtig sind, als dass ich in der Lage wäre, einen solchen Gedanken, eine solche Frage ernsthaft zu ignorieren. Gefragt nach der Zeit, müsste ich wohl in den Nebel hinein ein „19. Jahrhundert“ hauchen, aber da wäre Ives (sicherlich ein Auslöser für diese Überlegungen überhaupt) nur noch mit seinem Geburtsdatum mit eingeschlossen. Auch was die genaue Begrenzung dessen, was Neuengland jetzt denn so alles umfasst, so will ich mir die Freiheit erlauben, der Variabilität Raum und jemanden wie Poe zumindest nicht unerwähnt zu lassen. Man denke sich, um dieser gewollten Ungenauigkeit Ausdruck zu verleihen, ein mit Farbe gefülltes Röhrchen, dass, auf das Kerngebiet gerichtet, beim Entblasen sicherlich neben diesem auch noch viele kleine Pünktchen im Randgebiet und außerhalb dessen einfärben wird; manch ein Farbfleck verblasst schneller, manch einer überdauert die Zeiten länger und flutscht auch noch ins nächste Jahrhundert mit rein. Die Frage, die also hier geklärt werden soll, ist die: Wie ist das möglich? Und zur Beantwortung will mir alles ein probates Mittel sein: die Geschichte, die politische Situation, die Biographien, die Werke, die klimatischen Verhältnisse (wenn es sein soll), die Religion, die Sprache, etc. Bei all diesem nicht gerade als bescheiden zu geltenden Anliegen, lasse ich, wenn es mir angemessen erscheint, auch gerne jenes Motto gelten, was schon so manchen durchaus beflügelt hat: Habe Mut zur Lücke! Es ist also nichts als ein Versuch; ein Versuch, dessen einzelne Experimentierstadien hier mitverfolgt werden können; und als solches sollte es auch betrachtet und in diesem Sinne auch gewürdigt werden.
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