Versucht man zu verstehen, wie es sich verhält – ja, so lapidar wollen wir es halten -, dann begreift man zu mal kaum den Ist-Zustand, denn dann müsste er ja den Moment des Verstehens mit beinhalten. Wat sach’ste nu? Ich werfe also eines abends meinen Verstand auf einen Gegenstand meiner uneingeschränkt freien Wahl, versuche diesen näher zu mir heranzuziehen und plötzlich erscheint und wie aus dem Nichts heraus eine sprechende Ladentheke. Hallo, sage ich, und, wie geht’s, aber die Ladentheke gibt sich nicht mit solchen Anwürfen zufrieden, sie möchte mehr. Jetzt gibt es ja Menschen, die eine solche Situation, so sie ihnen begegnet, schamlos ausnutzen. Komm mal her, sagen diese Menschen, im Augenblick, da ihnen eine Ladentheke vielleicht mal ganz frech kommen will, komm nur, und sie locken di Ladentheke in einen Hinterhalt. Die Ladentheke nicht faul treibt ihr gewagtes Spiel soweit voran, bis schließlich auch sie einsehen muss, dass es jetzt kein Entkommen mehr für sie gibt. Ich will ja gar nicht protzen, mein Wesen ist ja eigentlich ein ganz anderes, aber nicht jeder, und ich möchte diese Menschen nun einfach mal hier mit einschließen, zeigt sich notwendig immer gewillt, und so wird die Ladentheke in diesem Fall einfach dingfest gemacht. Leider gehöre ich nicht zu den Hardlinern, so dass mich der Umgang mit einer handelüblichen Ladentheke nun mal durchaus aus der Bahn werden kann. Walter, kommst ’e mal, da is so ne Ladentheke, nee hab ich nich verstanden, Walter, muss schon selbst fragen, was die Ladentheke so will, nich jede Ladentheke is ja schließlich so redselich wie du, ich mein ja nur, wenn die mich nichts frag’, warum sollte ich denn dann sie, nee, Walter, mir is des nich geheuer, kann sich ja schließlich jeder als Ladentheke ausgeben. Und so stellt sich jetzt natürlich die Frage nach dem richtigen Umgang mit einer, sagen wir, durchschnittlichen mitteleuropäischen Ladentheke. Jo, das ist nun jetzt so ne Frage, die einem ganz schnell auf dem falschen Fuß erwischen kann. Aber he: Man sucht sich so ja so etwas nicht aus. Das begegnet einem, einfach so, und eh man sich’s versieht, steht sie dann da und will behandelt werden. Man muss sich irgendwie zu ihr verhalten. Nichts tun geht nicht, denn so eine Ladentheke ist in gar keiner Weise zu unterschätzen, ich habe schon von Fällen gehört, also mein lieber Scholli, da reist man um die ganze Welt, rennt durch Urwälder und Wüsten, aber so etwas ist einem einfach noch kein zweites Mal begegnet. Puh, erst ist sind es so kleine Andeutungen, man ist sich nicht ganz sicher, ob es wirklich eine Bewegung gewesen ist, oder ob wie eigentlich immer einem die Sinne die Täuschungsnummer vorspielen. Kommt jetzt wieder die alte Täuschungsnummer? Die ist alt, dass sie auch noch tatsächlich durchgezogen werden muss. Es genügt nicht, dass sie durch Andeutungen einfach simuliert wird, vielmehr wird sie bis zum Ende durchgezogen, hat sie erst einmal einen Anfang erfahren. Und man hält es, ich halte es in diesem Augenblick gerade nicht für ausgeschlossen, dass es sich gerade um diese alte und uns allen auf das Best bekannte Täuschungsnummer ist, aber dann, da, wieder, das war jetzt keine Täuschung, das habe ich wirklich gesehen, erlebt, ich habe es erlebt, dat Ding hat wirklich gezuckt, einmal kann man sich ja täuschen, einmal kann man ja getäuscht werden, aber zwei, ich bitte dich, das mag vielleicht einem Laien passieren, aber mir, willst du allen ernstes behaupten, dass mir das vielleicht passieren könnte, und so schauen wir jetzt einfach gemeinsam, aber nicht minder gebannt auf das Geschehen, die Augen zucken in der Dämmerung, denn wir haben vergessen, das Licht anzuschalten. Dieser Moment der Beobachtung dauert wahrscheinlich nur einen Bruchteil einer Sekunde, aber wir sind bemüht, nicht die geringste Kleinigkeit der Situation zu verpassen, und so erleben wir den Moment als schier unendlichen Dauerzustand. Er schwitz, mir läuft die Nase. Da geschieht es, dass ich mich dabei ertappe, dass ich in diesem Augenblick mehr an meine laufende Nase als an die vor uns in nervöser Spannung lauernde Ladentheke denke, und schon macht sie einen gewaltigen Satz auf mich zu. Ich jedoch, kaum dass ich ihrer Grammatik auch nur ansichtig geworden bin, mache so mit den Armen, so, genau, wie dieser Schauspieler, kennt man, und da liegt die Ladentheke auf dem Boden und ist handlungsunfähig. Das ging so blitzschnell, hat er hinterher immer wieder erzählt, gegenüber Dritten, interessierten Dritten, wenn er eine Geschichte zum Besten geben wollte, so blitzschnell, dass man gar nicht genau gesehen hat, was eigentlich passiert ist. Jetzt fühle ich mich beflissen, einen ganz kurzen Abriss darüber zu geben, was hernach alles passiert ist, aber wirklich ganz kurz, in Stichpunkten: Ladentheke k.o., konvertiert, das Übliche: Trainingsschule, Seminare, Mietschulden, darauffolgende Expansion, Jüngerschaft, Weltherrschaft. Anwürfe sind nichts schönes, aber in einer Welt, die formlos dahinwabert, sollte man gegen Ladentheken gefeit sein. Das ist eine Intervention: Läuft ’s gut, sollte man sich klarmachen, dass es so nicht mehr weitergehen kann.
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