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Der Wunschprinz
Geschrieben von tk   
Mittwoch, 1. Oktober 2008
Der Wunschprinz tritt auf der Stelle, gemütlich, er hat gerade einige Besorgungen gemacht, was fürs Bad, einige Lebensmittel, es ist ein kühler aber sonniger Tag. Der Wunschprinz befasst sich regelmäßig mit dem Phänomen der Auffassung. Auffassung, sagt er, ist eine tolle Sache, man hat sie oder man hat sie nicht, es spielt keine Rolle, und weil es keine Rolle spielt, tut es auch keinem weh. Im Frühjahr vor 3 Jahren hat sich der Wunschprinz mit einem kleinen Gefolge auf nach Andalusien gemacht, eben um diese seine Auffassung bestätigt oder widerlegt zu bekommen. Andalusien, sagt der Wunschprinz, drängt sich in dieser Hinsicht förmlich auf, denn in Andalusien ist es immer warm, und wer sich dort aufhält kann sich hemmungslos den Auffassungen hingeben. Und so kommt es, dass der Wunschprinz zu Ergebnissen gelangt, die so niemand hat erahnen können, insbesondere – und das ist das Traurige an der Sache – insbesondere der Wunschprinz selbst nicht. Bei manch einer Flussfahrt hat der Wunschprinz durchaus der Verdacht geäußert, dass da mehr drin stecken könnte, als man es zunächst vermuten möchte, aber nie hat er dabei an diese Ausmaße, respektive Abweichungen gedacht. Wer hätte auch ahnen können, dass es sich mit den Auffassungen im Grunde und wenn man es ehrlich und wertneutral betrachtet um das genaue Gegenteil dessen handelt, was man zunächst davon hat denken müssen. Auffassungen, so der Wunschprinz heute, Auffassungen können einem ganz schön weh tun. Dabei steht nicht einmal der Fremdfaktor im Vordergrund, die Hauptverletzungsgefahr geht von einem selbst aus. Nehmt es mir nicht krumm, sagt der Wunschprinz immer wieder, ich habe die Auffassung unterschätzt. Von dem Augenblick, da der Wunschprinz solches erstmals geäußert hat, ist nichts mehr, wie es war, Auffassungen stehen nicht mehr für die hedonistische Haltung, mit der man sie zuvor noch synonym zugeordnet hat. Mit Auffassungen sollte man kein Schindluder treiben, sagt der Wunschprinz und lockert seinen Schritt, indem er seine Besorgungen wieder aufnimmt.
 
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© 2010 Thomas Kurze
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