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Ist es möglich, etwas neues zu erfinden?
Geschrieben von tk   
Donnerstag, 16. Oktober 2008
Das ist die Frage, die sich Moff Wimsandel schon an so manchem Tag gestellt hat: Ist es möglich, fragt er sich, steht vor dem Spiegel und betrachtet die wachsenden Falten in seinem Gesicht. Und da Moff Wimsandel offensichtlich nichts zu verlieren hat, er sich im Gegenteil darüber freuen kann, immer wieder dazugewinnen zu können, schnappt er sich eines Tages seinen Rucksack, packt den Nagelknipser und die Socken, die Feuchtigkeitscreme und ein frisches Hemd ein und rennt noch zur Nachbars Liesl, um sich zu verabschieden: Der Moff macht sich auf, spricht er zur Liesl, er muss etwas erforschen, es ist was wie die Wissenschaft, sagt er und überreicht der Liesl ein Präsent, was diese fein säuberlich und ungeöffnet in eine Schublade packt, versprechend, dass es nicht eher geöffnet werden wird, bis der Moff höchstselbst wieder da sein wird. So gerüstet und gestärkt macht sich Moff Wimsandel auf seine Reise, von der am wenigsten zu wissen scheint, wo entlang sie gehen, geschweige denn wohin sie führen wird. Und so kommt er an einem Tor vorbei, dass er durchwandert, dann hinauf ins Gebirge und schließlich mit einem Tragflächenboot über einen See. Das gibt es schon alles, sagt er sich an diesem ansonsten so ergebnisreichen Tag, da muss doch noch mehr sein. Als der Morgen anbricht kreuzt ein Kaffeemaschinenvertreter seinen Weg, und die beiden gehen ein Stück gemeinsam. Kaffeemaschinenvertreter: Ich werde meinen Job bald aufgeben. Moff Wimsandel: Warum? Kaffeemaschinenvertreter: Warum nicht? Mittags wird es sehr heiß, dann ist Moff Wimsandel schon sehr weit gekommen. Es hätte alles tragisch ausgehen können, ich meine, wir kennen doch alle diese ewigen Aussteiger mit ihrem immer gleichen blöden Konzept der Naturverbundenheit und dem „Immer locker bleiben, Baby!“-Gefasel, schreiben dann wahlweise Bücher über ihre tollen Reisen oder verkaufen bunte Ketten an Menschen, die gerne so wären wie sie, sich aber nicht trauen, hören sie mir auf damit. All das ist Moff Wimsandel und erst recht uns erspart geblieben. Stattdessen und nach einer Umrundung des kleinen Eilands, auf dem Liesl und er wohnen, steht er schließlich hinter sich selbst und kann sich so die Hand reichen. Moff, du alte Rampensau, keine Bühne, auf der du dich nicht selbst gerne sehen möchtest, gleich bleiben die Momente des Selbtverzücktseins. 
 
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© 2010 Thomas Kurze
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