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Husten gegen Habner
Geschrieben von tk   
Mittwoch, 29. Oktober 2008
Ich habe es lange ertragen, zu lange, eigentlich habe ich es nicht wirklich ertragen, zu keinem Zeitpunkt, nie, ich habe aufgehört über die Frage nachzudenken, weswegen ich mir denn den Habner anhören, die Habner’schen Gedanken ertragen soll, du musst nicht, habe ich zu mir gesagt, es wird gut sein, wenn du den Habner einfach links liegen lässt, aber der Habner, aus sich heraus und gänzlich unvermittelt, hat nicht locker gelassen, hat mich mit seiner Anwesenheit enerviert, hat mich mit seinen Gedanken penetriert, ich habe mir gedacht, das erträgst du jetzt einfach, wie ein Neutrinosturm durchdringen dich die Habnerschen Gedanken, aber sie werden dich reaktionslos auch wieder verlassen, der Habner wird es nicht schaffen, dich mit seinen Ideen zu infizieren, das Habner’sche Gedankengut fordert einen Raum ein, es fordert meinen Raum ein, es beginnt mit einer winzigen Stelle und wirft sich dann aber dermaßen ins Getümmel, irgendwann hat jeder vergessen, dass es mal nicht betroffene Momente im Denken gab, Habner steht regungslos auf dem Hof und sagt Hallo, und zunächst sieht es nur so aus, dass er auf dem Hof steht und quasi zufällig Hallo sagt, aber schnell wird klar, dass damit schon das ganze Ausmaß der Habner’schen Infiltration einhergeht, wir sind alle froh, und wir wissen alle, was jetzt losgeht, wenn der Habner so ansetzt, dass es sich dabei ja nur um ein begrenztes Experiment handelt, sagt der Habner und schaut mich in einer Weise aus den Augenwinkeln an, dass mir bereits beim zweiten Gedanken klar wird, dass er mit dem Experiment niemanden anderen als mich meint, und ich denke, warum steht der Habner jetzt auf dem Hof und sagt Hallo, wenn er doch eigentlich etwas ganz anderes meint, und die Tatsache, dass es sich bei dem Hof ja ursprünglich um den Habner’schen Hof gehandelt hat, mag sich für mich hier noch nicht wirklich als einzige Begründung herausstellen, ich frage den Habner also, weswegen er mich denn mit einem Hallo anspricht, wohingegen er doch eigentlich etwas ganz anderes meint, aber der Habner winkt ab, so wie der Habner immer abwinkt, wenn man ihn auf etwas festlegen will, und er sagt dann noch, dass ich die Sache nicht so wichtig nehmen soll, und wie der Habner jetzt so auf dem Hof steht, und ich den Habner auf dem eiskalten Hof stehen sehe, da wird mir klar, dass man das Experiment auch in die entgegengesetzte Richtung ausführen kann, und sage Hallo zum Habner, der sich jedoch auch nicht auf den zweiten Gedanken hin davon beunruhigen lässt, und so stehen wir beide in der Kälte auf dem Hof, und einer stellt sich Fragen, und einer hat Antworten und während einer noch denkt, er müsse sein Experiment beenden, ergreift einen die Kälte und er muss husten.
 
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© 2010 Thomas Kurze
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