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Lieber verehrter Nebelverwalter, vorneweg, auf die Gefahr hin von ihnen als humorlos betrachtet zu werden, als Vorschub sozusagen, entbiete ich ihnen ein: Ni dieu – ni maître! Sie erinnern sich sicher, ist mal eine Zeit lang kursiert, jetzt wohl vorbei, da „in Stahl weiter gedacht“ wird. Aber Schluss damit. Gern, komme ich nun, ja klar, auf ihre Seite, ein bisschen Nebel, was ist schon dabei, gern auch künstlicher, aus dem Bühnenboden wabernd, eine Ermutigung, verstehe ich, unsicher tastend die Akteure, und der Zuschauer ist begeistert, weil er besser hineindeuten kann, in das, was er (noch oder mal wieder) hinter den Dunstschwaden vermutet. Ist jedoch nicht immer lustig, sie kennen das: Man ist draußen und der Berg ruft. Man ist eine Strecke gegangen, es geht aufwärts, die Lunge pfeift und das Herz pumpt, dann Nebel, der Gipfel, eben noch vor Augen, verschwunden. Gibt es ihn noch, gibt es ihn überhaupt und irgendwann wieder? Nicht zu sagen, in diesem Moment, also probieren und weiter, es geht hoch, man spürt es in den Beinen, es geht runter, spürt man auch in den Beinen, und dann, der Nebel lichtet sich, der Gipfel, genauer ein Gipfel im Rücken – und doch keine Gewissheit, dass man dort oben gewesen ist. Man vermutet es, mehr nicht. Und also pfeift man auf die Gewissheit, lässt es sein, die Zweifel und auch die Vermutung, sein lassen, heißt es jetzt, um nach den Strapazen sagen zu können, dass man dort (oben, kein Nebel mehr) gewesen ist. Und so stochern wir auch andernorts, lassen gelten oder auch nicht. Ein Hoch auf die Nebelkerzen! Ein Hoch dem Nebelverwalter! Nein, seien sie unbesorgt, hier sind nicht wieder, sind es auch nie gewesen, Einwände im Anmarsch, schlägt sich die ungesunde Stadtluft nicht auf mein angestrengtes Gemüt. Nur ein kleiner, verzeihen sie mir, Schlenker. Und keinesfalls will ich versäumen ihnen zu danken, Dank also, für Ihre Antwort, die Ermutigung, die sie mir haben zuteilwerden lassen und nicht zuletzt für die Sorge, die ich Ihnen sogleich nehmen möchte, denn ich habe mich viel bewegt, nicht freiwillig, wie ich gestehen muss, und auch draußen an der Luft, so gar nicht frisch und viel zu kalt für meinen Geschmack. Schlechte Koinzidenz von Rat und Tat, in diesem Fall, wofür sie nichts können, tagelang spazieren gehen, Runde um Runde, die ich nicht drehen will, aber wozu mir die Kälte keine andere Wahl gelassen hat. Ja, im Sommer, eine ganz andere Sache, so sagt man, die leicht geschürzten Pariserinnen, jedoch es ist Winter, und also wieder eine ganz andere Sache, um die es nicht geht, die ich nur erwähnt habe, um einen Eindruck zu vermitteln, von den widrigen Umständen, denen zu entgehen, mir unmöglich gewesen ist, weil mich die Managerin des Hotels vor die Tür gesetzt hat. Wegen Umbauarbeiten, unvermeidlich und unaufschiebbar, hat sie gesagt, und dass es das Beste ist, zu meinem eigenen Schutz und Seelenfrieden, wenn ich am Tag das Haus verlasse, und dass ich mich nicht so haben soll, schließlich lässt sich auch draußen denken. Die Unterlagen, habe ich ihr entgegnet, dass es nicht ums Denken geht, sondern um meine Unterlagen. Doch all mein Reden zwecklos. Sie hat nur geschaut, hätte auch noch so geschaut, wenn ich mich vor ihr mit Benzin übergegossen und angesteckt hätte, und so bin ich denn aus dem Haus, nicht in den nächtlichen Central Park, stattdessen in den Parc des Buttes Chaumont, kein Erlebnis, sage ich ihnen, keine Jazzkapellen und vielstimmig nur das Gebrabbel der Clochards, nichts also, worüber sich nachzudenken lohnt, geschweige denn zu sprechen. Sicherlich fragen sie sich, nicht erst an dieser Stelle, warum ich über eine kleine Widrigkeit so viel Aufhebens mache, aber Widrigkeiten sind nun mal, bezogen auf einen einzelnen Menschen immer klein, und die großen bemerkt er ohnehin erst, wenn es zu spät ist, weshalb ich mir erlaube, noch einen Moment in Paris zu verweilen, nicht um den nächsten Fauxpas zu begehen, nein, im Gegenteil, wenn nicht, ja, wenn nicht, an jenem siebten Abend, da ich ins Hotel zurückgekehrt bin, was soll ich sagen, erstens anders, und dann kommen die in mein Zimmer, Handwerker, Ärmelaufkrempler, Poliere und Sachverständige, allesamt Berserker, die wissen, was zu tun ist, wenn irgendwo ein Rohr, eine Leitung, wenn also gerettet werden muss, was zu retten ist. Meine Unterlagen haben jedenfalls nicht dazugehört. Futsch, alle futsch, auch meine Weltkarte, mein Kantscher Rastplatz, auf dem es eingezeichnet ist, dieses nahezu gleichschenklige Dreieck, das die drei fast gleichnamigen Ortschaften bilden, wenn man sie miteinander verbindet, wobei die „neu-englische“ Spitze dieses Dreiecks eine ländliche Gegend markiert, die ich jetzt vorläufig, und möglicherweise vorschnell, als das melancholische Hinterland Neu-Englands bezeichnen möchte. Sicherlich ist diese geometrische Figur kein Beweis für irgendetwas, aber evident genug, um zu ahnen, dass es lohnt, dem nachzuspüren, was sie umfasst, einschließlich des französischen Küstenstädtchens, des vielen Blaus und der Undurchsichtigkeit. Das Dreieck ist weder willkürlich noch magisch, eher ein exakt gekanteter Splitter, mit dem eine erste Kontur Neu-Englands gekratzt werden kann, wenn sie es mir denn gestatten wollen. Ach ja, noch eines zum Schluss, in der Hoffnung, ihre Geduld nicht über Gebühr zu strapazieren, die Weltkarte, perdu, viel schlimmer jedoch, dass auch die Aufzeichnungen über den Mugg verschwunden sind. Spurlos. Mugg, hat die Managerin gesagt, bleiben sie mir nur mit ihrem Mugg vom Leib. Ich kann es ihr nicht einmal verübeln. Es gibt eben Nebel und Nebel. Ihr ergebener Sam Vier --- 11, rue de Montholon 75009 PARIS - Frankreich
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