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Lieber Maître, Herr der Burg, habe ich Sie verärgert, verstört, hat sich ein unbedachtes Wort meinerseits bei Ihnen eingenistet, hat es Blumen und Welten bei Ihnen getrieben, schlimme Welten, böse Blumen, von denen ich doch so gar nichts weiß, für die ich mich aber, und Sie können sich meine Erregung in dieser Sache vorstellen, sehr wohl verantwortlich zeichnen muss? Unschuldig hat es begonnen, sicherlich und jetzt, da wir offensichtlich erneut in der Strukturen verharren, die uns das Leben so schwer machen, und die wir aber trotzdem irgendwie nicht zu vermeiden wissen – dass solches unser Ziel ist, davon gehe ich jetzt einfach mal aus – es ist regelrecht zum Verzweifeln. Dabei war ich doch drauf und dran, und wie Sie sehen, habe ich diesen Punkt bereits überschritten, habe dem Druck nachgegeben, den Druck, der mich unumstößlich dazu auffordert, Ihnen endlich die aktuellen Tendenzen und Informationen zukommen zu lassen, Sie mit der vielleicht alles legitimierenden Erkenntnis zu konfrontieren, dass es richtig ist, was wir hier machen. Und ich höre Ihre Einwände über die Kontinente, die mir die Legitimation bereits wieder absprechen möchten, bevor ich sie auch nur angesprochen habe. Nein, lieber Maître, alles um was ich sie in diesem Moment bitten möchte, ist ein wenig Geduld, lesen Sie ruhig, entspannt, lassen Sie sich nicht überwältigen von mitgebrachten Einsichten in die Materie; zeigen Sie Geduld, und Sie werden vielleicht bereits zu Ende dieses Schreibens einen anderen Blick auf die Dinge werfen, die wir hier verhandeln. Ich kenne Sie als besonnenen Menschen, Besonnenheit steht uns allen sicher gut zu Gesicht, ich habe also dahingehend Vertrauen, dass Sie die Gedanken deshalb länger anlegen als es diese Sache vielleicht zunächst zu fordern scheint. Nun, lieber Maître, nur durch Zufall, und ich will Ihnen die Einzelheiten ersparen, habe ich einen ersten Einblick in Ihre Geschäftstätigkeiten erhalten, und wunderlich genug für diese Profession, ich verstehe Sie nun besser als zuvor – wenn ich solch großes Wort an dieser Stelle verwenden darf. Vielleicht der Verbrechensbekämpfung, doch was heißt das schon in den heutigen Tagen, und wer weiß etwas mit den deterministischen Standpunkten anzufangen, die solches infrage stellen könnte, sicherlich aber zur Verbrechnsaufklärung tragen Sie einiges bei, in der Stadt, die mir doch so fern und durch sie jetzt aber unbekannterweise bereits ans Herz gewachsen ist – ein Kommissar also. Und ich zücke meinen Hut und verhehle nicht, dass mir der Samen des Zweifels ob meiner Bemühungen und dem naiven Start in dieser Auseinandersetzung jetzt doch nicht mehr so klein erscheint, wie gleich zu Beginn – der Fehler einer jeden guten Unternehmung, die sich aus dem Nichts in eine Bedeutung hineinschreibt. Ein Kommissar als Opponenten, verstehen Sie mich nicht falsch, der Gegenüber, der sich in professioneller Weise mit dem Lesen von Spuren auskennt; ja, ich gebe zu, dass mir der abendliche Bourbon in den letzten Tagen nicht mehr recht zu schmecken begann, als ich dies zur Kenntnis nehmen musste. Und nicht, weil ich nicht durchaus froh wäre, dass mir jemand zur Seite steht, was Sie auch hoffentlich nicht aussetzen möchten, vielmehr ob meiner angesichts dessen geringfügigen Einwände gegen das von Ihnen vorgeschlagene Prozedere, respektive seitens Ihrer Einwände gegen das meine. Doch dann habe ich mich des Erbes besonnen, die lange Familientradition, Sie verstehen, und ich habe mir gesagt, es kann dadurch nur interessanter und sicherlich auch aufschlussreicher werden – und so stehen in dieser Sache die Zeichen durchaus optimistisch auf „vorwärts“. Nach diesem Bekenntnis zum themenbezogenen Fortschritt will ich nun aber meine Ideen unterbreiten, die mich so in Erregung versetzen. Ja, ich will es gestehen: Ich hatte meine Zweifel (und ich spreche jetzt keineswegs von ihrem Tätigkeitsfeld). Ähnlich wie der Autor von Tagebuchromanen sich irgendwann die Frage gefallen lassen muss, ob die von ihm gewählte Form der sicherlich nicht durchgängigen Tagebucheinträge allein numerisch nicht gänzlich willkürlich ist – oder zeichnet sich irgendein Tag (jenseits von Numerologie) vor allen anderen aus, besser: Was die Tage zu einer Auszeichnung hin reifen lässt, sind tatsächliche Vorkommnisse und Situationen, die der jeweilige Autor und dessen Fiktion wohl kaum für sich in Anspruch nehmen kann (also ist es entweder Humbug oder Willkür) -, ebenso muss man sich auch der Frage stellen, ob die Überlegung, auf der man all das aufzubauen gedenkt und was ja noch nicht ist, was ja aber durchaus werden soll, nicht aus einem völlig zu unrecht singularisiertem Geist entspringt. Ja, nehmen wir das Problem des Anfangs: Wo anfangen (in einem homogenen Feld, das inhaltlich natürlich ganz und gar nicht homogen ist), ohne dabei ein Gewicht auf den gemachten Schritt zu legen, der diesem nicht zusteht, so dass er nachträglich auch gar nicht mehr als Anfang verstanden werden kann? Ja, Sie hatten Recht mit Ihren Zweifeln, geäußerten und nicht geäußerten, und doch auch wieder nicht, und ich verhehle erneut nicht, dass ich nun, da ich meine (und eben auch Ihre) Fehler als solche erkannt habe, liebend gerne zu Ihnen von Kollege zu Kollege sprechen möchte - allein: Ich bin kein Kommissar! Doch davon später. Der Fehler, lieber Kollege in spe, liegt in dem Umstand begründet, dass wir beide nach Punkten gesucht haben, nach Kompakta, die den Gedanken an sich erträglich werden lassen, Sie verstehen? Aber, und ich bin froh, dass wir das zu diesem durchaus noch frühen Zeitpunkt klären können: Wir haben die Courage vor dem eigenen kühnen Versuchsaufbau verloren, denn was schreit weniger nach den klassischen Lösungen als dieser verwegene Versuchsaufbau? Sie erinnern sich sicher, dass es vor einiger Zeit ein analoges Missverständnis bezüglich eines bald als metaphorisches bald als reales Kästchen, auf dem das Wort mit vier Buchstaben, von denen der erste ein G, der letzte wiederum ein t gewesen ist, gegeben hat, und wir haben alle gemeinsam über die Undifferenziertheit eines solchen Lapsus gelacht. – Eben! Wenn ich im Nebel suche, werde ich keinen Sonnenschein ernten (oder so ähnlich). Nein, lieber transkontinentaler Expeditionskollege, wir machen das schon richtig, und fast hätte ich gesagt, dass diese hermelose und sich immer weiter öffnende und damit unüberschaubare werdende Welt Neuenglands, die wir zu betreten uns glücklich schätzen dürfen, einer Gewohnheit bedarf, sicherlich, dann aber, und Sie stimmen hierin mit mir in jedem Falle bei, dann .... Kopf hoch, Maître, verehrter, alles wird gut! Der Nebelverwalter
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