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Erster Versuch
Geschrieben von tk   
Donnerstag, 31. Januar 2008

Wenn man anfängt, falls man anfängt, ist es bereits vorüber, bevor man denkt, dass es anfangen könnte. Jetzt drehen wir die Zeiger ein Stück zurück, nur sehr wenig, kurz vor dem Ende, dem definitiven, kurz bevor es zu spät ist. Es ist also spät. Der Tag hatte gut begonnen, aber jetzt sind alle müde. Der Regentonnenschieber schiebt seine Regentonnen noch ein wenig, es sind eigentlich gar nicht seine Regentonnen, aber niemand nimmt ihm krumm, was eh niemand bemerkt. So macht sich der späte Tag auf den besten Weg bald zu zu sein, eine Öffnung kommt selten allein, warum sollte sie auch. Der Regentonnenschieber stellt sich Fragen, die er nicht beantworten kann: Wie sehen Fragen aus, deren Antworten ich nicht einmal denken kann, fragt er sich. Fallende Blätter wollen aufgehoben werden, so hebt der Regentonnenschieber die fallenden Blätter auf, lässt die Regentonnen weit hinter sich und hebt die fallenden Blätter auf, einer muss es ja machen, denkt er sich, es sind diese Momente, die er durchaus denken kann. In den letzten Jahren ist das nicht allzu häufig vorgekommen. Wird es auch nicht mehr, es wird nicht mehr allzu häufig in den letzten Jahren vorkommen. Der Wind bläst und der Regentonnenschieber findet seine Blätter nicht mehr. Es sind eigentlich gar nicht seine Blätter, aber niemand nimmt ihm krumm, was eh keiner bemerkt, gar nicht bemerken kann, denn er hebt die fallenden Blätter ja nicht mehr auf. Irgendwann wird die ganze Gegend voller gefallener Blätter sein, dann braucht man schon gar keine Regentonnenschieber mehr. Der Regentonneschieber denkt sich, dass es schon verrückt ist, was man mit dem Regentonnenschieben alles erreichen kann, man kann wirklich damit noch etwas verändern. Zum Glück stellen fallende Blätter keine Fragen, die niemand beantworten kann, denn es wäre eh niemand hier, der es auch nur versuchen wollte. Ich könnte ebenso ein fallendes Blatt sein, denkt sich der Regentonnenschieber, so wie ein fallendes Blatt, hätte es auch nur ein wenig Verstand, auch ein Regentonnenschieber sein könnte. Ist es nicht, aber egal. Wenn es noch nicht zu spät ist, dann geht der Regentonnenschieber ab und an ein wenig die Straße auf und ab. Ha, es ist noch gar nicht so spät, zumindest noch nicht zu spät, denkt sich der Regentonnenschieber, da könnte ich die Gelegenheit nutzen, die Straße ein wenig auf und ab zu gehen. Und so läuft er, der Regentonnenschieber, auf und ab und auf und ab und plötzlich ist es viel zu spät, und der Regentonnenschieber hat die Zeit vergessen, hat bereits vergessen, dass alles wieder auf Anfang geht und nur ein erster Versuch ist. 

 
Auf wundersame Weise
Geschrieben von tk   
Dienstag, 23. September 2008
Wenn sich die Sprache an die Zeit anschmiegt, treten seltsame Momente ein: Man sagt und schon ist es geschehen, ganz so, als werfe jedes Wort den Haken in Richtung Sachverhalt. Da trifft es sich nicht schlecht, dass Willkock Foster heute schon auf dem Markt gewesen ist. Denn wer könnte denn auch dafür garantieren, dass nicht durch ein dusselig dahergeplappertes Wörtchen die Preise für Reingemüse auf einmal verdoppeln. Mit Reingemüse verhält es sich nämlich genauso wie mit Platten der alten Art, das weiß auch Willkock Foster. Es ist eine gar herzige Art, wie er sich als Impressario in diesen Dingen aufplustert. Denn wer sonst wäre auf den zunächst absurd klingenden Vergleich von Reingemüse und Platten der alten Art gekommen, wenn nicht Willkock Foster, der ja dafür schließlich auch einen Preis bekommen hat. Nicht sofort, nein, wer erinnert sich nicht an die immensen Schwierigkeiten, mit denen er nicht nur von außen zu kämpfen hatte. Willkock Foster, hat Wendy McGee zu ihm gesagt, Willkock Foster, Du bringst uns alle noch in die allergrößten Schwierigkeiten. Sie hat sich bei ihm darüber ausgelassen, dass er es sich einfach viel zu schwer macht. Dabei habe ich es gar nicht so mit der Sprache, soll Willkock Foster ehemals nachgesetzt haben, es ist nur so, wenn sich die Sprache an die Zeit anschmiegt, treten manchmal seltsame Momente ein, und so bin ich gezwungen, darüber nachzudenken, ob oder ob die Probleme nicht auf diese Weise bereinigt werden können, ich bin da bisher nicht zu einer endgültigen Entscheidung gekommen, aber ich lasse es dich wissen, wenn sich Klärung anbahnt, sagt er zu Wendy McGee und verschwindet auf wundersame Weise im Eingang einer Apotheke.  
 
Impression
Geschrieben von tk   
Montag, 20. Oktober 2008
Der Moment ist gekommen, da man sich besser in den Nebel verzieht, die Klarheit hinter sich lassend, kalte Formen gegen diffuses Licht austauscht. Freunde stehen vielleicht noch am Rande, winken ein letztes Mal, dann verschwindet man in der Unscheinbarkeit. Nein, hier ist keineswegs Trübsalblasen angesagt, vielmehr sind es getragene Rhythmen, die nun eine Orientierung erlauben. Es ist gerade das Undurchsichtige, das Klarheit erlaubt. Das Auge wird nicht mehr getäuscht durch Formen, und wenn doch, dann sind es derer so viele gegensätzlicher Ausprägung , dass selbst der Hartnäckigste die Idee der Echtheit weit hinter sich lassen müsste. Die Tageszeit? Schwer zu sagen. Die Lichtstreuung lässt darauf schließen, dass wir so gegen 5 Uhr am Morgen haben, in jedem Fall ist es ein angenehm kühler Wind, der dazu einlädt, die Jacke fester an sich zu ziehen und einen schrägen Gedanken dabei nicht nur zu formulieren, sondern diesen auch auszuhalten. Und da ist er auch schon: Erst der Oberkörper, später auch die Beine, die dem Gleichgewicht nachgeben und so nach vorne gehen, die sengende Hitze auf dem Hinterkopf sträubt sich gegen jede Art der Nachlässigkeit. Nichts als sandiger Weg liegt in eine Richtung. Und doch so unterschiedlich: Jeder Wüstenabschnitt offeriert einen neuen Aspekt einer ansonsten kaum variierbaren Durststrecke. Was sage ich? In jedem einzelnen Moment käme hier niemand auf den Gedanken, dass sich tatsächlich etwas wiederholt, denn wer weiß mehr als derjenige, der mit der mit der Repetition zu kämpfen hat. Am Ende sterben wieder die Üblichen: dümmliche Honoren, die den Weg zum Oasenfest wieder nicht rechtzeitig gefunden haben. Sie liegen dann im Sand rum, japsen und fantasieren etwas von wegen der Äquivalenz der Sand- und der Eiswüste. Weggefährten winken abseits der Loipen, endlich Ruhe auf einer geraden Einbahnstraße. Und schon wieder will sich die Melancholie nicht einstellen, was ja jeder hätte vermuten mögen, der sich mit dem Ausbleiben der Zielsetzung auskennt. Der Wind zieht stramm zwischen Ohransatz und weiter Haaridee vorbei, gewährleistend, dass niemand auf falsche Gedanken kommt. Da ist der Moment vorbei, und alle sind froh ob der Unentscheidbarkeit – nur einer kneift die Augen kurz zusammen.           
 
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