|
Geschrieben von tk
|
|
Dienstag, 30. September 2008 |
Da stehen sie auf der Anlegestelle, die Fähre legt langsam ab, der Wind bläst aus Südsüdost, die Tickets sind bezahlt, da machen sie auf einmal Ankündigungen. Es wird sich alles bessern, sagen sie, und nur, wenn man sich weit über die Reling beugt, kann man durch die starken Windgeräusche überhaupt etwas verstehen. Klar, beschwören möchte es niemand, was sich hier als Wahrheit herausstellt, aber wieso sollte man jetzt, da es doch eigentlich um nichts geht, alles in Zweifel ziehen? Vielleicht wird sich ja tatsächlich alles ändern, womöglich auch noch zum Besseren, letztlich gibt es keinen Grund, das in Abrede zu stellen. Wir konstatieren also, dass sich alles erstens ändern wird und zweitens auch noch zum Besseren. Doch da heben sie erneut an und rufen erneut etwas, was jetzt viel heißen kann, sagen wir, es könnte gebräuchliche Giraffe heißen, vielleicht auch Gehab dich wohl, und erst, da das Schiffssignal verklungen ist, glauben wir erkennen zu können, dass sie von einer philosophischen Grundlage sprechen, die jetzt in den neuen Bereich eingebettet werden muss. Wir sind einigermaßen darüber erstaunt, denn wer kann solches verstehen, angesichts einer Schifffahrt. Wir sind ja nicht so lange weg, versuchen wir uns dahingehend zu beruhigen, dass die Frage nach einer neuen philosophischen Grundlage ja letztlich kein Pappenstil ist und aufs genauste bedacht werden will. Als wir gerade soweit sind, uns schweren Herzens ihrer Idee und deren Konsequenz zu beugen, das Schiff hat mittlerweile schon soweit abgelegt, dass sie auf eine fast vernachlässigbare Größe zusammen geschrumpft sind, rufen sie nochmals etwas, was nun wirklich einer kräftigen Brise Fantasie bedarf, um aus dem grauen Grundton noch Signale der Bedeutung destillieren zu können. Sicherlich, nach derartigen Ankündigungen kann jetzt nicht irgendetwas kommen, eine Erklärung über die allgemeine Lage muss es sein, ein Versuch über die Weltordnung, etwas, was bleibt. Man weiß es nicht, aber letztlich geht es ja auch um das Gespenst der Metaphysik, da braucht man sich auch nicht mehr in einfachen Begriffen zu tummeln. Danach sind sie, soweit man das sehen konnte, gegangen – wir haben nie erfahren, was genau sie gemeint haben, aber es hat gereicht, dass wir unser Leben grundlegend verändert haben. |
|
|
Geschrieben von tk
|
|
Mittwoch, 1. Oktober 2008 |
Der Wunschprinz tritt auf der Stelle, gemütlich, er hat gerade einige Besorgungen gemacht, was fürs Bad, einige Lebensmittel, es ist ein kühler aber sonniger Tag. Der Wunschprinz befasst sich regelmäßig mit dem Phänomen der Auffassung. Auffassung, sagt er, ist eine tolle Sache, man hat sie oder man hat sie nicht, es spielt keine Rolle, und weil es keine Rolle spielt, tut es auch keinem weh. Im Frühjahr vor 3 Jahren hat sich der Wunschprinz mit einem kleinen Gefolge auf nach Andalusien gemacht, eben um diese seine Auffassung bestätigt oder widerlegt zu bekommen. Andalusien, sagt der Wunschprinz, drängt sich in dieser Hinsicht förmlich auf, denn in Andalusien ist es immer warm, und wer sich dort aufhält kann sich hemmungslos den Auffassungen hingeben. Und so kommt es, dass der Wunschprinz zu Ergebnissen gelangt, die so niemand hat erahnen können, insbesondere – und das ist das Traurige an der Sache – insbesondere der Wunschprinz selbst nicht. Bei manch einer Flussfahrt hat der Wunschprinz durchaus der Verdacht geäußert, dass da mehr drin stecken könnte, als man es zunächst vermuten möchte, aber nie hat er dabei an diese Ausmaße, respektive Abweichungen gedacht. Wer hätte auch ahnen können, dass es sich mit den Auffassungen im Grunde und wenn man es ehrlich und wertneutral betrachtet um das genaue Gegenteil dessen handelt, was man zunächst davon hat denken müssen. Auffassungen, so der Wunschprinz heute, Auffassungen können einem ganz schön weh tun. Dabei steht nicht einmal der Fremdfaktor im Vordergrund, die Hauptverletzungsgefahr geht von einem selbst aus. Nehmt es mir nicht krumm, sagt der Wunschprinz immer wieder, ich habe die Auffassung unterschätzt. Von dem Augenblick, da der Wunschprinz solches erstmals geäußert hat, ist nichts mehr, wie es war, Auffassungen stehen nicht mehr für die hedonistische Haltung, mit der man sie zuvor noch synonym zugeordnet hat. Mit Auffassungen sollte man kein Schindluder treiben, sagt der Wunschprinz und lockert seinen Schritt, indem er seine Besorgungen wieder aufnimmt. |
|
|
Geschrieben von tk
|
|
Donnerstag, 2. Oktober 2008 |
Warum macht man das, was soll denn das, kann man seine Zeit nicht mit sinnvolleren Dingen verbringen, sagen wir mit Gartenarbeit? Wer an dieser Stelle noch zweifelt, der sollte diese Zweifel ganz schnell über Bord werfen, vertrauen sie mir, es wird sich für sie auszahlen! Wir kennen doch alle, diese kleinen Schwächen, dieses eloquente Im-Nichts-Stochern. Nicht wahr? Wir haben es einfach alle satt, uns den ganzen Tag dieses läppische „Ich kann mich nicht entscheiden!“ auf die Ohren zu drücken, damit muss jetzt Schluss sein. Aus und vorbei. Was zuviel ist, das ist zuviel, wir müssen alle eines Tages eine Entscheidung treffen, und dieser Tag ist heute. Ich schlage vor, dass wir bei aller Entschlossenheit einen kühlen Kopf, kühle, kalte Entscheidungen, sonst geraten wir in die eigenen Fänge, man verheddert sich, die Falle schnappt, verstehen sie, es ist die Zeit des Handelns, nicht die Zeit der Hektik. Jetzt ist es so, dass man als aller erstes mal ein Zeichen setzen sollte, etwas mit Signalwirkung, ein Symbol, was auch wirklich, verstehen sie, es muss wie ein Leuchtfeuer, gegen die Wand, man muss es schon von weitem, da kann dann niemand mehr. Und eine solche Aktion will wohl überlegt, der Schuss kann sehr wohl auch nach hinten, nehmen wir an, man versucht sich an einem zu geringen, oder sagen wir, man versucht sich an einem zu schweren, sie verstehen, der Schuss geht nach hinten, nichts bleibt, der ganze Effekt ist nicht nur verpufft, man kann sich auch auf den Standpunkt stellen, aber lassen wir das, es ist nicht die Zeit der Reflektion, handle, lassen sie uns handeln, handeln sie, ich werde wohlwollend alles beobachten. Und deswegen kann es nur noch eines geben: Verlassen sie ihren Steuerberater! Sofort! Und wenn ich sofort sage, dann meine ich bestimmt auch nicht später, verstehen sie, jetzt, da die Katze aus dem Sack ist, jetzt kann die Katze ja nicht auf einmal wieder zurück, man fragt sich, wo kommt der Sack her, was hat es mit diesen Katzen auf sich, wem gehören sie, wie sehen sie aus, was fressen sie, gehen sie regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchungen, jawohl, man unterschätzt so etwas nur allzu leicht, kaum ist sie dann aus dem Sack und wegen zu geringer Proteine, Vitamine und wie diese Dinger auch alle heißen, erkrankt dann die Katze, sie erkältet sich, geschieht schneller, aber das weiß man ja, wie sollte die Katze, so frage ich jetzt mal ganz dumm, und ich bitte sie, mich mit der Antwort nicht etwa zu schonen, ist ja auch eine tolle Sache, so mit den Bildern, hat man den Steuerberater erst einmal verlassen, der soziale Schnitt ist so eindeutig, da gibt es nichts mehr weiter, der Sack ist zu und da man nicht mehr zurück kann, kann man jetzt in alle strategischen Ruhe den Generalangriff planen, Katze hin oder her, da bleibt keine Frage mehr unbeantwortet. |
|
| | << Anfang < Vorherige 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 Nächste > Ende >>
| | Ergebnisse 21 - 24 von 354 | |