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Geschrieben von tk
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Samstag, 11. Oktober 2008 |
L.P. Grabawitsch steht vor einem Problem, und da sich das Problem als nicht klein erweist, steht L.P. Grabawitsch sogar vor einem großen Problem. So betroffen steigt er aus seiner Großraumlimousine, betritt die Hotellobby und genehmigt sich an der Bar einen Wild Talahasy. Da dort nichts weiter für L.P. Grabawitsch zutun bleibt, betritt er männlichen Schritts den gerade sich öffnenden Fahrstuhlkorb, der Duft seines Aftershaves verteilt sich in der Fahrzeugkabine, so dass für L.P. Grabawitsch der Weg nach oben frei ist. Pling, die 43. Etage, die Damen und Herren auf den Gängen verstummen beim Anblick der imposanten Erscheinung L.P. Grabawitschs. Er biegt rechts in den Gang ein, findet seine Suite im Ostflügel, es wird nicht deutlich, ob die Menschen über oder zu ihm sprechen, jedenfalls glaubt man ab und an ein Einen schönen Abend Herr Grabawitsch oder Guten Abend Herr Grabawitsch zu hören, da fäll die Tür bereits ins Schloss. Jetzt, da niemand mehr in seiner Nähe ist, jetzt, da sich L.P. Grabawitsch unbeobachtet wähnt, jetzt öffnet er den obersten Hemdknopf, löst die Fliege, geht zum Fenster, schaut auf die Stadt, öffnet die Balkontür, geht nach draußen, schaut auf die Stadt, verzieht eine Miene, schaut nochmals auf die Stadt, sie ist nächtlich, L.P. Grabawitsch weiß um das Problem und es ist in den letzten Momenten nicht kleiner geworden – was wissen die Menschen schon von Problemen, hat L.P. Grabawitsch immer gesagt, sie sind entweder gar nicht da oder sie wachsen, unaufhaltsam, die Menschen verstehen von solchen Prozessen nichts, man glaubt, man hat Einfluss, dabei hängt alles von ganz anderen Faktoren ab. Da L.P. Grabawitsch jetzt so die nächtliche Stadt betrachtet, muss er für sich erkennen, dass sein Problem sicherlich nicht geringer werden wird, es wird weiter wachsen, stetig, unaufhaltsam. Auf einer Grabplatte hat er einmal gelesen, dass jemand möglicherweise in der gleichen Situation gewesen sein muss, wie er heute, denn die Grabinschrift lautete Sie hatte ein Problem und wurde es nicht los. Dieses Schicksal, so muss L.P. Grabawitsch in diesem Augenblick erkennen, möchte er nicht teilen, weswegen er sich fürderhin vornimmt von Problemen fernzuhalten, was ihm offensichtlich heute so gut gelungen ist, dass er heute mit der Auszeichnung für den geretteten Moment geehrt wird. |
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Geschrieben von tk
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Sonntag, 12. Oktober 2008 |
Ich bin sicher, sie haben davon bereits gehört: Alles ist begrenzt, endlich, vergänglich. Zunächst: Kommen sie mir jetzt bitte nicht mit irgendwelchen mathematischen Tricks, von wegen Kontinuum und so. Ich für meinen Teil verschlinge nämlich nur eine bestimmte Anzahl von Broten am Tag, trinke abzählbar viele Kaffee und brauche mich nicht durch grenzwertige Schranken einschüchtern lassen, um zu erkennen, dass ich nicht unbedingt in jede Hose reinpasse. Trotzdem – und dies Trotzdem scheint offensichtlich nicht nur bei mir den regnerischen Tagen, niedrigen Temperaturen und späten Sonnenaufgängen besondere Virulenz zuzugestehen – fragt man sich in manch einer stillen Minute, was denn dann überhaupt noch bleibt, und meint hierbei eineindeutig „von mir“. Nun, die Frage wurde nach mehrjähriger Forschertätigkeit durch ein italienisches Wissenschaftsinstitut glücklicherweise letztgültig geklärt. Die Damen und Herren sind nämlich ehemals auf einem kleinen Vergnügungsdampfer gefahren, und mehr aus guter Laune, denn aus ernsthaftem wissenschaftlichen Interesse tauchte – wie es ja bei solchen Institutsausflügen hin und wieder vorkommen kann – die Frage auf, allerdings noch in verschleierter Form. Einer der Doktoren mochte sich des Eindrucks nicht erwehren, der Dampfer möge vermutlich überhaupt niemals mehr ans Ufer anlanden. Man stelle sich jetzt bitte eine solch ausgelassene und enthemmte Gesellschaft vor, in deren Mitte eine solche Vermutung geäußert wird. Zunächst hielt jeder der Anwesenden diese Vorstellung für eine Denkaufgabe, etwas, was den Geist erfrischt, die Zellen durchknetet, letztlich eine Fragestellung für die andere viel Geld zahlen müssten. Als der Genannte jedoch darauf beharrte, dass er tatsächlich davon ausgeht, man möge nun nie wieder das Ufer erreichen, machten sich die Kolleginnen und Kollegen ernsthaft Sorgen um den jungen Mann, denn entweder war hier gerade dabei seine wissenschaftlich Karriere über den Haufen zu schmeißen oder er war schlicht und ergreifend einfach verrückt geworden. Doch wie es so ist, wenn man zwei Optionen für infragekommend ausmacht, trifft meist die dritte zu: Der junge Mann hatte nämlich wirklich Recht, das Schiff kann durchaus häufig am südlichen Tornago beobachtet werden. Alle Zurufe gegenüber der Besatzung hat bisher nicht dazu geführt, dass sich das Schiff wieder in Richtung Ufer bewegt hat. Es fährt hin und her, rauf und runter, tja. Aber die Herrschaften haben nach anfänglicher Unruhe es wiederum geschafft, die Zeit angemessen zu nutzen. Und so wissen wir, dass sie das Problem gelöst haben, jedoch wegen der schlechten Witterungsverhältnisse und den Herbststürmen war man bisher noch nicht in der Lage, die Antwort vom Ufer aus zu verstehen. Wir reichen das nach, sobald sich die klimatischen Bedingungen wider gebessert haben. |
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Geschrieben von tk
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Montag, 13. Oktober 2008 |
Laufe, laufe auf dem Platz herum, hm, so viele Menschen, ah, so viele, man kann sie nicht zählen, muss man nicht, tja, man sieht die Menschen, wie sie sich etwas zu sagen haben, wie sie, es sind so viele, hier, diese, es geht um di Menschen, die ganz in der Nähe von uns, diese Menschen tragen Sonnenschirme, wahrscheinlich, wahrscheinlich ist es ein heißer Tag, oh, im Hintergrund blitzen einige Ladengeschäfte, grell in der Sonne, ja, ja, es sind schöne Momente, man sagt, dass das rege Treiben ein fröhliches ist, auf der anderen Seite ist es auch, man kann es erkennen, die Menschen feiern ein fröhliches Beisammensein, ein Lustgewinn, sozusagen, sozusagen, könnte man meinen, es sind Menschen mit bunten Kleidungstücken, ah, jeder passt sich auf seine Weise den Gegebenheiten an, nun, gediegene Melodien sind zu vernehmen, hört sie jeder, wir wissen es nicht, oh, aber wenn man bedenkt, man bedenkt doch nicht etwa, andererseits gibt es hier so viele Menschen, die Melodien verleihen der Situation ein eigenmächtiges Ambiente, ein Ambiente, na, es steht immer für sich selbst, man kann nicht ein Ambiente in den Raum stellen und dann verlangen, dass es etwas anderes verkörpert als sich selbst, so treten die Menschen aus ihrem Eigen heraus, ziehen sich bunte Kleidungsstücke an und lassen Luftballons steigen, ohne dass sie damit etwas zeigen möchten, sie sind nur sie selbst auf dem Platz und vor den Ladengeschäften, so gesehen darf man es auch nicht überinterpretieren, darf man nicht, warum auch, am nächsten Tag kann schon wieder alles anders sein, verstehen sie, haha, und plötzlich friert die Situation ein, nicht kalt, nur bewegungslos, nichts mehr, keine Chance, Chancen erwachsen aus den Optionen, sonst wäre es langweilig, aber hier ist keine Bewegung mehr vorhanden, eingefroren, Starre, die Menschen bleiben in der Situation gefangen, bleiben steht, die bunten Kleidungsstücke folgen nicht mehr einem Wind, der zuvor noch als leise Brise aus Südost getarnt war, jetzt schlicht und ergreifend nicht mehr da ist, die Ladengeschäfte zeigen entleerten Blick, und die Ballons, obwohl schon aus den Händen entlassen, verharren in der Schwebe, wenn jetzt noch etwas dazukommt, dann kann es richtig unangenehm werden. |
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